2009-11-29
Impressum: Arne Arotnow – Postfach 200641 – 45636
Recklinghausen – Arotnow@web.de
Herzlich willkommen! Ich habe auf dieser Seite
einige Gedichte aufgeführt, die ich auf http://www.gratis-gedicht.de/
unter http://www.gratis-gedicht.de/user/Arne_Arotnow/
veröffentlicht habe. Mein besonderer Dank gilt Gerlinde Schmüser, die
auf ihrer Internetseite http://www.traumland-der-poesie.de/
viele Gedichte optisch besonders schön illustriert hat.
Alle Texte sind urheberrechtlich
geschützt. Es ist nicht erlaubt, sie unverändert oder leicht verändert woanders
zu veröffentlichen.
ALPHABETISCHES GEDICHTEVERZEICHNIS:
Anschlag von Neonazis
vereitelt
Der vom Rochen gestochene Jochen
Der Zeigefinger und
die anderen drei
Die kleine
Melodie (von Elfie Nadolny)
Erstrebenwerte
Geschmacksverirrung
Hassgeliebtes deutsches Vaterland
Jägerschützen und
Schürzenjäger
Lange an Wangen
prangende Schlangen
Lebenseinstellung
(Neufassung)
Lieber Liebe ohne Triebe
als Triebe ohne Liebe
Scheiben einschmeißende
Glaser und Ähnliches
Schöner Herbst, trauriger Herbst
Wahrheit und
Lichtgeschwindigkeit
Die kleine Melodie
Heimlich still und leise
Spielt nach alter Weise
Eine kleine Melodie
Und die vergess ich nie
Sie spielt mir aus der
Kinderzeit
Da gab es Kummer nicht und
Streit
Diese kleine Weise
Hör ich noch ganz leise
Mitten in der Nacht
Bin ich aufgewacht
Glaub ich bin daheim
Dort werd ich immer sein
♪♪♪
Elfie Nadolny (* 1954)
Ich bedanke mich bei Elfie Nadolny dafür, dass ich
ihr Gedicht hier veröffentlichen darf. Näheres zu ihr findet man auf ihrer
Homepage http://www.inselchen.com/.
Ewige Kinder der Sterne
Aus Sternenstaub geboren,
aus Atomen und Energie,
geht nichts von uns verloren
und vergehen werden wir nie.
Großes Lob an Jürgen Domian
Wer hört sich unsre Sorgen an?
Natürlich Jürgen Domian!
Befällt uns mal ein schlimmer Kummer,
so wählen gern wir seine Nummer.
Er macht uns Menschen ständig Mut
und seine Stimme tut uns gut.
Des Jürgens Meinung ist uns wichtig,
denn stets sieht er die Dinge richtig.
Für seine große Empathie
gebührt ihm unsre Sympathie.
Der Jürgen ist ein sehr Gescheiter
und hilft den Leuten gerne weiter.
Wärn alle Menschen so wie er,
wär unser Leben gar nicht schwer.
Er schenkt uns eine Stunde täglich
und macht es so für uns erträglich.
Er ist ein großer Philanthrop
und erntet dafür unser Lob.
Er sagt uns immer nur die Wahrheit
und sorgt mit seinem Rat für Klarheit.
Er ist ein Hüter der Moral
und dennoch äußerst liberal.
Kein Thema ist bei ihm verboten,
auch nicht Bizarres oder Schoten.
Er kämpft für Recht und Toleranz
und ächtet Hass und Ignoranz.
Bescheiden ist er stets geblieben;
auch deshalb müssen wir ihn lieben.
Der Jürgen ist ein Spitzenmann,
man nehme sich ein Beispiel dran!
Jürgen Domian (geboren 1957) moderiert seit April
1995 die nach ihm benannte Telefontalkshow »Domian«, die sowohl im Fernsehen im
WDR als auch im Radio bei Eins Live zu empfangen ist. Fünfmal in der Woche von
Dienstag bis Samstag sitzt er mitten in der Nacht von ein bis zwei Uhr in
seinem kleinen Studio in Köln und spricht mit anonymen Anrufern, welche die
kostenfreie Telefonnummer 0800 220 5050 gewählt haben, über deren Probleme oder
auch über allgemeine Themen des öffentlichen Lebens. Nur am Donnerstag gibt es
zurzeit ein kurzfristig festgelegtes Thema, zu dem sich seine Anrufer äußern
können. Im Jahre 2003 wurde Jürgen Domian für seine Leistungen mit der
Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
ausgezeichnet.
Bitte noch weitere 15 Jahre, lieber Jürgen!
(Glückwunsch vom 12. April 2010)
Gütige Hilfe
Hilf gütig andern
aus der Not –
mit dir sie wandern
bis zum Tod.
Eigene Wege
Auf dem Trampelpfad als simpler Wanderer
übernimmt man gern Gedanken anderer.
Es hat schon Besseres einem eingebracht,
hat man auf eigenen Wegen nachgedacht.
Trügerisches Internet
Das Netz ist häufig sehr gefährlich,
denn viele Surfer sind nicht ehrlich.
So manche lauern hinter dem PC
und aus dem Dunkeln tun sie andern weh.
Man trifft schnell Menschen jeder Sorte
und viele schreiben schöne Worte.
Im Netz kann jeder alles tun und sein,
doch häufig trügt berauschend nur der Schein.
Es eignet gut sich fürs Betrügen,
denn rot wird nie ein Wort beim Lügen.
So vieles wirkt hier hübsch und richtig echt
und ist in Wahrheit mies und gänzlich schlecht.
Man kann recht leicht ins Netz gelangen,
bleibt oft jedoch sehr lang gefangen.
So finden viele nicht den Weg zurück,
denn hier im Netz, da winkt das große Glück!
So manche suchen hier die Liebe
und oft bekommt die Seele Hiebe.
Man sucht und sucht und sucht nach Perfektion
und sinkt hinab im Sumpf der Illusion.
Man kann dem Irrtum schnell erliegen,
ein jeder könnt hier alles kriegen.
Es sieht so aus, als hätte man die Wahl,
doch meistens wird’s für Surfer bloß zur Qual.
Wie schnell trifft man aus dieser Meute
auf scheinbar tolle, edle Leute!
Und alles Freunde, könnt man meinen,
doch hat man hier real nicht einen.
Der eine oder andre wirkt adrett
und was er schreibt, das klingt ganz gut und nett.
Doch kann man nicht noch Bessres finden,
wenn man bereit ist, sich zu schinden?
So sucht man mehr und mehr und immer mehr
und tut sich letzten Endes nur noch schwer.
Hat man zum Schreiben wen gefunden,
ist irgendwann der Mensch verschwunden.
Wie schön warn seine Worte und sein Bild,
doch die Begierde wurde nie gestillt.
Man durfte sich geliebt schon wähnen,
doch plötzlich fließen nur die Tränen.
Und dieser Mensch war nur im Geiste da
und nie real dem eignen Körper nah.
Doch möchte man nicht gleich verzagen
und will es auf ein Neues wagen:
Auch andre Surfer wirken sehr charmant
und schreiben süße Worte recht gewandt.
Man will das nicht im Netz verpassen
und kann es einfach nicht mehr lassen.
Kontaktanzeige einer Frau
Du bist der reinste Traum von einem Mann
und machst mich einfach richtig tierisch an.
Du stehst mit beiden Beinen fest im Leben
und strauchelst nicht einmal bei einem Beben.
Du hast natürlich keine Altlasten
und brauchst als Kumpel nie ’nen Bierkasten.
Du liegst den Eltern nicht mehr auf der Tasche
und bist auf keinen Fall ’ne riesengroße Flasche.
Du bist gescheit, am besten auch studiert,
und insbesondre sehr gut situiert.
Du bist im Klub der reichsten Millionäre
und suchst nicht nur ’ne Frau für ’ne Affäre.
Du bist ein richtig großer Superstar
und selbstverständlich mehr als vorzeigbar.
Du spielst Klavier, Gitarre sowie Flöte
und schreibst gekonnt Gedichte wie einst Goethe.
Du tust beim Tanz dich überhaupt nicht schwer
und bist so elegant wie Fred Astaire.
Du unterhältst mich oft mit Superwitzen
und strotzt nur so vor lauter Geistesblitzen.
Du hast sowohl IQ als auch EQ
und hörst mir gerne und geduldig zu.
Du bist vom Look her voll und ganz ästhetisch
und selbstverständlich auch total athletisch.
Du bist von Kopf bis Fuß extrem gepflegt
und weißt genau, was eine Frau erregt.
Du bist kein kleiner, dürrer Miesepeter
und misst schon mehr als achtzehn Dezimeter.
Du schmückst dich nicht mit Brille, Bauch und Bart
und bist auf deinem Rücken nicht behaart.
Du weißt mich äußerst prickelnd zu berühren
und lässt dich immer nur von mir verführen.
Du hast mondänen Charme sowie Maniern
und selbstverständlich Herz, Humor und Hirn.
Du würdest niemals mich gemein betrügen
und nicht einmal ein bisschen mich belügen.
Du bist der Mann, der mich auf Händen trägt
und mir die ganze Welt zu Füßen legt.
Du läufst für mich auch barfuß über Scherben
und wärst sogar bereit, für mich zu sterben.
Du stillst mir alle Wünsche nicht zu knapp
und liest sie mir von meinen Augen ab.
Du gibst mir morgens Geld für neue Schuhe
und lässt mich bis zum Abend dann in Ruhe.
Du bist ein richtig großer Zampano
und wohnst, wie’s sich gehört, im Bungalow.
Du bist der Mann, den alle Frauen wollen,
und bist der allertollste von den tollen.
Du bist so ’n Typ, der alles hat und kann,
und bist vor allem der perfekte Mann.
Himmel und Hölle
Kein Mensch es wirklich weiß,
ob wer im Himmel singt.
Gewiss ist nur, dass heiß
(auf Erd’ ist der Beweis)
manch Hölle Leiden bringt.
Tot und nicht geboren sein
Vielleicht ist tot sein so
wie noch nicht geboren sein
und macht so manche froh,
denen droht die Höllenpein.
Der notwendige Fehler
Was du für einen Fehler hälst,
kann trotzdem manchmal sinnvoll sein;
selbst wenn du schnell ein Urteil fällst –
so prüfe dies im Nachhinein.
Niemals aufgeben
Bleibe niemals liegen,
wenn du dich am Boden wälzt.
Einmal wirst du siegen,
wenn du nur dagegenhältst.
Siehe auch:
Jahreszeiten
Wohlig wärmen Winterherde.
Wieder wackeln Weihnachtsglocken.
Wallend wirbeln Wolkenflocken –
weißlich werde Wiesenerde!
Fruchtbar färben Frühlingsregen.
Falter fluten Frühjahrslüfte.
Frohmut feiert Freudendüfte.
Freude, Freude, Florasegen!
Strahlend schön sind Sommertage.
Seelen spüren Siedehitze.
Schwitzend strotzen Sonnenblitze.
Schmerzlich surrt stets Stecherplage.
Heftig heulen Herbstunwetter.
Herzen hassen Himmelstrauer.
Häufig harren Hadesschauer.
Herren hacken Heizungsbretter.
Siehe auch:
Lebenseinstellung
Mach dir keine Sorgen.
Gönn das Glück des Lebens dir.
Denke nicht an morgen.
Lebe nur im Jetzt und Hier.
Siehe auch:
Alltagstrott
Lieber Gott,
so hilf mir doch
bei dem Trott
in dieser Woch’!
Siehe auch:
Der Zwang zum Glück
Wer ’s Glück verbissen sucht,
der schlägt es in die Flucht.
Wer jammernd dabei flucht,
der krankt an einer Sucht.
Auge und Herz
Unser Auge dient dem Sehen,
doch nicht selten schaut es gierig.
Unser Herz nur kann verstehen,
doch zu sehn mit ihm ist schwierig.
Siehe auch:
Wünsche für die Welt
Ich wünsch mir für die Welt,
dass der, der was verspricht,
sich immer daran hält
und kein Versprechen bricht.
Ich wünsch mir für die Welt,
dass jedes edle Wort,
das hin und wieder fällt,
zu Taten wird sofort.
Ich wünsch mir für die Welt,
dass niemand mehr betrügt
und keiner sich verstellt,
indem er ständig lügt.
Ich wünsch mir für die Welt,
dass nur die Liebe zählt
und nicht das schnöde Geld,
das nur die Menschen quält.
Ich wünsch mir für die Welt,
dass endlich Frieden ist
und jeder sich verhält
wie ’n Mensch und Pazifist.
Ich wünsch mir für die Welt,
dass jedes Erdenkind
genügend Brot erhält,
weil Kinder Zukunft sind.
Ich wünsch mir für die Welt,
dass man aus Fehlern lernt
und Müll, der sie befällt,
nun endlich mal entfernt.
Ich wünsch mir für die Welt,
dass alle doch verstehn,
dass sie demnächst zerfällt,
wird bald nicht was geschehn.
Ich wünsch mir für die Welt,
dass niemals sie vergeht
und keiner sie entstellt,
denn eine nur besteht.
Ich wünsch mir für die Welt
und auch für euch viel Glück.
Ich wünsch mir von der Welt
auch mir davon ein Stück.
(Endgültige, um vier Strophen
erweiterte Fassung des Liedtextes)
Siehe auch:
Lass dir nichts einreden
Lass dir nicht einreden, dass du nichts wert bist,
weil du nicht schön bist.
Lass dir nicht einreden, dass du nichts wert bist,
weil du kein Geld hast.
Lass dir nicht einreden, dass du nichts wert bist,
weil du nicht schlau bist.
Lass dir nicht einreden, dass du nichts wert bist,
weil du keine Freunde hast.
Lass dir nicht einreden, dass du nichts wert bist,
weil du krank bist.
Die Leute, die das denken, sind nichts wert.
Augenblicke
Wenn ich in deine Augen blicke –
Augenblicke gibt es schönre nicht.
Liebe macht uns ziehn an einem Stricke
und Liebesnacht uns leucht’ ein großes Licht.
Böse Gedanken
Böse Gedanken –
lass sie nicht zu.
Auch nicht das Zanken –
so hast du Ruh.
Wahrheit und Lichtgeschwindigkeit
Weswegen gleicht die Wahrheit
der Geschwindigkeit vom Licht? –
Sosehr man wünscht sich Klarheit,
man erreicht sie ganz wohl nicht.
Selber spüren
Die Menschen können viel erzählen,
wie sehr sie schlimme Dinge quälen.
Am meisten wird es uns berühren,
wenn wir’s am eignen Leibe spüren.
Mehr Freude durch wenig Leid
Statt daran zu leiden,
sich nicht am wen’gen zu erfreuen,
sollte man sich freuen,
nicht oft das Schlimme zu erleiden.
Bittere Schuld
Die Schuld ist eine Torte,
die der Bäcker nie vergisst.
Sie ist von einer Sorte,
von der niemand gerne isst.
Bücher für Säue
Nicht wundern man sich darf,
wenn Bücher für die Säue,
vor welche man sie warf,
nicht fördern ihre Schläue.
Überraschungen
Denk dran, wenn du wanders’,
wohin’s auch stets dich drängt:
Erstens kommt es anders
und drittens, als man denkt.
Der Erdtrabant
Zu denken man oft neigt,
er sei des Mensch’ Kopie,
denn er genauso zeigt
die dunkle Seite nie.
Er ist ein großer Stein
und kurvt seit Ewigkeit.
Sein Licht ist nur ein Schein,
den ihm die Sonne leiht.
Er ist ein Freund der Erd’
und schenkt ihr treu Geleit.
Sein Gelb sich füllt und leert
im regen Takt der Zeit.
Er hebt das Meer zur Flut,
er senkt zur Ebbe es;
wenn schimmernd er drauf ruht,
dann gibt’s kaum Schöneres.
Sein voller Schein oft bringt
zum Wallen manches Blut.
Romantisch er beschwingt
des Malers frohen Mut.
Zu ihm, da blickt man gern
und fühlt sich dabei frei.
So nah und doch so fern
zieht friedlich er vorbei.
Er schleicht mit Stetigkeit
in Zyklen stumm dahin.
Er kreist in Ewigkeit
und Ende ist Beginn.
Siehe auch:
Mondscheingedicht
Du hast mich wieder um den Schlaf gebracht
und doch bist du der gute Vollmond nicht.
Du bist wie er von allerschönster Pracht,
doch leider übt mein banges Herz Verzicht.
Ich sage diese Worte mit Bedacht,
ich sprech im Kerzenschein nun dies Gedicht
und reinen Herzens bet ich zu der Macht,
die meinem Flehen hoffentlich entspricht.
Vom heil’gen Vollmond werde es vollbracht,
so bin ich bald bei dir ganz nah und dicht,
damit mein Antlitz bald vor Freude lacht
beim nächsten Mondenschein in dein Gesicht.
Mein Herz verlangt nach dir in stiller Nacht;
vom Mond beschienen send ich dir ein Licht,
sodass die Sehnsucht auch in dir erwacht,
damit nicht schmerzend bald mein Herz zerbricht.
Gespräch mit Herrn Winter
Ach Winter, lass mich dich nun fragen:
Warum nur musst du mich so plagen?
Ja siehst du’s nicht? Ich bin kein Pinguin
und kann wie ’n Vogel nicht gen Süden ziehn.
Verschone mich mit deinen Übeln
und lass mich nicht mehr länger grübeln!
Obwohl du weißt, dass keiner dich bestellt,
bezahlt man doch mit Mühen, Zeit und Geld.
Du magst derselbe sein wie immer,
doch sieh mich an – ich bin es nimmer!
Ich kämpfe gegen dich auch dieses Mal
mit Stiefeln, Mütze, Schaufel, Salz und Schal.
Ich kann dich nicht mehr länger sehen –
es wird nun Zeit für dich zu gehen.
Ich wünsch mir so, dass bald Herr Frühling naht,
dann ist’s vorbei mit minus Stalingrad.
Dann ringt er zärtlich dich ganz nieder
und Vögel singen seine Lieder.
Ach Winter, schleich dich fort und halte still,
bis wir uns wiedersehn – so Gott es will!
Der Frühling ist gekommen
Der Lenz ist da und füllt die Lüfte
mit frischem Hauch der schönsten Düfte.
Wie zaubernd neu das Land mit Grün bedeckt –
der Lenz! Er hat das Leben auferweckt.
Wenn Vögel reger wieder singen,
spornt an der Lenz zu neuen Dingen.
Wohl dem, der zarte Bande knüpfen kann,
den doppelt lacht die Frühlingssonne an.
Der vom Rochen gestochene Jochen
Jochen wollte einen Rochen kochen.
Er hatte sich dies vorgenommen seit Wochen.
Er hatte nämlich seiner Frau versprochen,
im Meere zu fischen – und zwar einen Rochen.
Da wurde Jochen im Boot vom Rochen gestochen.
Er zog den Stachel heraus und hat ihn zerbrochen.
Jochen wurde wütend und sagte zum Rochen:
»Zur Strafe werd ich dich kochen.«
Der Rochen röchelte und blickte zu Jochen.
Der Rochen sagte: »Ich habe doch nichts verbrochen.«
–
»Doch«, sagte Jochen, »du hast mich gestochen.«
Das Herz des Rochen hörte dann auf zu pochen.
Unter Schmerzen ist Jochen mit dem Rochen an Land
gekrochen.
Zu seiner Frau sagte er: »Der Rochen hat mich
gestochen.
Ich muss zum Arzt, bevor wir den Rochen kochen.« –
»Kommt nicht in Frage«, sagte sie, »erst kochen wir
den Rochen.«
Sie war Polizistin und wollte den Jochen ständig
unterjochen.
Die beiden rochen am Rochen und taten ihn dann
kochen.
Jochen war schon schlecht und aß mit ihr den Rochen.
Da hat er plötzlich auf ihren Schoß gebrochen
und blamiert war er bis auf die Knochen.
Sie war wütend auf Jochen und wollte ihn sogar
einlochen –
den Jochen.
Die Tante von der Börse
Ich will nichts verhehlen.
Dow Jones und DAX gesunken.
Im Etat klaffen Lücken.
Woher nehmen und nicht stehlen.
Wirtschaftsweisen unken.
Ratingagenturen und ihre Tücken.
Investoren fehlen.
Notenbankchefs betrunken.
Aktionäre springen von Brücken.
Guten Abend.
Unerwerblicher Sinn
Man kann für Geld sich vieles kaufen.
Ob Gold nun, Silber oder Zinn
gestapelt wird auf einen Haufen –
für Geld bekommt man keinen Sinn.
Der freie Wille
Niemand kann die Pläne planen,
die unserm Hirn geschwind entrücken.
Schicksal lenkt den Geist in Bahnen,
auf denen wir nicht oft entzücken.
Unsers Glückes Schmied sind Wellen,
die schäumen zwischen unsern Ohren.
Sie sind’s, die ein Urteil fällen;
aus unserm Ich wird nichts geboren.
Wellen lassen ’s Ich erbeben
und unser Ich in Täuschung schwanken.
Frei will unser Wille streben,
doch ohne Plan sind stets Gedanken.
Wellen lenken unsern Willen;
wir können nichts aus uns entscheiden.
Wellen wirken zwar im Stillen,
doch können wir sie nicht vermeiden.
Sich ändern
Einen Ruck sich zu geben,
um ganz anders zu werden,
ist das Schwerste im Leben,
wohl das Schwerste auf Erden.
Leistung
Will im Leben man bestehen,
muss man lernen und verstehen.
Leistung kann man nicht erflehen,
nur der Fleiß lässt sie entstehen.
Die Frau im Meer
Ich glaube, dass ich einsam bin.
Niemals lügt, wer dieses spürt.
Allein im Traum flieg ich dahin,
der in Seelenqual mich rührt.
Ich wollt, es gäbe einen Weg,
der mir das Glück verheißt,
und gleich dem langen, dunklen Steg
schon bald ins Meer mich reißt.
Ich weiß, sie weilet da schon lang.
Dort – am Horizont so fern.
Und singt mit süßem, goldnem Klang.
Weiter noch – als wär’s ein Stern.
Ich schwebe auf sie zu in Gier,
doch schwimmt sie stets hinfort
und fragt mich: »Was nur will er mir?
Der flehend nur verdorrt.«
Ach, wenn ich sie nur fassen könnt,
jemals nur berühren dürft.
Doch nichts davon mir sei vergönnt.
Mir, der nur aus Träumen schlürft.
Sie weilt gleich einer Meeresfrau,
die schwimmt in Fluten fern.
Ob ich zu rufen ihr mich trau?
Was könnt mir Mut beschern?
Doch eins sind sie und Firmament.
’s gibt von Heldenhand kein Werk,
das beide mir zur Freude trennt.
Wär’s doch nur ein stolzer Berg!
Ach, lachte sie nur einmal mir
und gäb ein einzig Haar.
Ich müsst nicht leiden wie ein Tier
und hätt was immerdar.
Ihr’ Anmut mich erzittern lässt,
weil sie reinen Herzens ist.
Ihr Bild – ich halt’s für immer fest.
Dies muss reichen mir als Christ.
Ich wünscht, ich könnt ihr Woge sein
und gleich der sanften Flut.
Ich wollt, ich wär des Mondes Schein,
der schimmernd auf ihr ruht.
Ich würd nicht etwas nehmen ihr,
geben nur und ohne Kauf.
Sie möge sein ein Buch zu mir
und es hörte niemals auf.
Ihr Liebreiz sie mir fort nur treibt,
sodass mir Mut verrinnt.
Für immer sie in Meeren bleibt,
die meine Tränen sind.
Siehe auch:
Strandfantasien
Am Strand einst müßig weilend liebte ich zu
lauschen,
wenn schäumend und so sanft des Meeres Fluten rauschen.
Im Urlaub wollte ich nur träg und faul dort sitzen;
allmählich ließ mich arg die Sonne jedoch schwitzen.
»Ich werd ein Bier mir an der Strandbar zapfen
lassen«,
so dacht ich mir und konnt es plötzlich gar nicht
fassen:
Dem Engel gleich kam eine Nixe aus dem Meere
und sagte mir, dass sie nach Bier sich sehr
verzehre.
Ich fasste mir ein Herz, das rasend nur so pochte,
und lud die Nixe ein, was allzu gern sie mochte.
Die Sonne
Sie strahlt seit Ewigkeit
und spendet Helligkeit.
Sie schafft Behaglichkeit
und sorgt für Heiterkeit.
Man glaubte früher gar,
sie kreise um die Erd’.
Die Kirche hielt’s für wahr
und andres für verkehrt.
Sie ist der nächste Stern
und allen Lebens Quell.
Sie strahlt ihr Licht von fern
und macht die Tage hell.
Wenn sie zur Nacht sich senkt,
lässt niemand sie allein.
Dem Mond sie gütig schenkt
den kühlen, milden Schein.
Sie wirkt mit ihrm Gewicht
und hält Planeten fest.
Entfliehen könn’ sie nicht,
weil sie sie kreisen lässt.
Empor aus Ost sie steigt,
wenn früh der Tag beginnt.
Sich tief nach West sie neigt,
wenn spät der Tag verrinnt.
Sieht man zu lang hinein,
macht sie die Augen blind.
Und dennoch kann ihr Schein
so nützlich sein wie Wind:
Sie schenkt ein Kilowatt
dem Meter zum Quadrat,
den man zu wandeln hat
zu Strömen durch den Draht.
Mit allergrößtem Fleiß
erzeugt sie Energie.
Im Innern kocht sie heiß
und streiken will sie nie.
Sie höre niemals auf,
zur Erde gut zu sein.
Umsonst und ohne Kauf
genießt man Sonnenschein.
Die vier Elemente
Erde Ernten erbringt.
Erde Eichen erhebt.
Erde Elbe entspringt.
Erde Erdgas entschwebt.
Feuer Fische flambiert.
Feuer Funke fliegt fort.
Feuer Feuchtigkeit friert.
Feuer Fichten führn fort.
Laute leitet leicht Luft.
Laster Lüfte lädiern.
Lungen laden leis Luft.
Lüfte Leime liiern.
Wasser wundervoll weiht.
Wasser wahren will Wald.
Wolke Wasser wirft weit.
Weinend Wasserfall wallt.
Ein Traum
Ich bin ein kleines Vögelein
und fliege leise durch den Wind.
Ich möchte gar nichts andres sein –
so hat mir’s Schicksal halt bestimmt.
Die Winde mögen sanft mich wiegen
und lassen mich von selbst gar fliegen.
Ich sehe Wiesen, Wälder, Bäume
und flieg im Rauschen meiner Träume.
Mein Herz ist leicht und lässt mich schweben.
Ich brauche nur die Luft zum Leben.
Ich habe niemals schlimme Sorgen
und lass mich schaukeln von den Mächten.
Ich schlafe auf dem Wind in dunklen Nächten
und kenn kein Gestern und kein Morgen.
Ich rase ohne Zeit durch Sphären,
als weilte vor mir nur die Ewigkeit,
als wenn’s nur Augenblicke wären
in einer tiefen, dunklen Einsamkeit.
Ich bin ein kleines Vögelein
und schlafe auf dem Wind.
Nichts andres darf ich sein –
so hat mir’s Schicksal halt bestimmt.
Siehe auch:
Ewige Spuren
Deines Lebens Spuren
sind unsterblich gute.
Ewig wird man spüren
deines Herzens Güte.
Unverlorene Seele
Du hast unendlich viel gegeben
und keine Wege warn dir je zu weit.
Das Glück der andern war dein Streben
und dich zu opfern warst du stets bereit.
Vorbei ist nun dein tapfres Leben
und auch der letzten Tage großes Leid.
Du bleibst auf ewig unverloren
und wurdest nicht umsonst geboren.
Expansion
Nur von einem großen Knall
zutiefst geheimnisvoll getrieben
weitet rasend sich das All,
um sang- und klanglos zu zerstieben.
Alles eilt hinfort ins Nichts
wie jedes nichtige Bestreben.
Freut euch noch des warmen Lichts,
das euch die Fügung mild gegeben!
So golden all die Sterne schimmern –
es scheint, als würden sie schon wimmern.
Die Sterntaler
Es war einmal ein Mädchen, das litt sehr,
denn Vater und auch Mutter warn schon tot.
Und so besaß dies arme Kind nicht mehr
als nur die Kleidung und ein Stückchen Brot.
Zwar war das Mädchen gänzlich fromm und gut,
doch traurig wie kein andres auf der Welt.
Es fasste dennoch tapfer allen Mut
und ging mit Gottvertraun hinaus ins Feld.
Da kam ein armer Mann den Weg entlang.
»O gib mir was zu essen«, sagte er.
Es gab ihm Brot, weil er so hungrig klang
und nun besaß es selber keines mehr.
Nach einer Weile kam ein Kind heran,
das sprach: »Mich friert’s am Kopfe von dem Wind.
O gib mir was, dass ich ihn wärmen kann.«
Da tat es seine Mütze auf das Kind.
Dann kam ein anderes, das jammernd fror.
Das rief: »Ich hab kein Leibchen, bin so arm
und heute friert es mich wie nie zuvor.«
Es gab ihm seins und sprach: »Jetzt hast du’s warm.«
Und als ein Kind auch um den Rock noch bat,
da half’s ihm ebenso und gab ihn her.
Das dankte ihm für diese gute Tat
und freute lächelnd sich darüber sehr.
Dann ging das fromme Mädchen in den Wald
und bald schon brach die dunkle Nacht herein.
Allmählich wurde ihm es bitterkalt,
doch kam erneut ein armes Kindelein.
Das bat es um sein warmes Hemdlein nun
und kriegte dieses, ohne lang zu flehn.
Das Mädchen wollte stets nur Gutes tun
und dachte: »Niemand kann mich nachts doch sehn.«
So stand es da und hatte gar nichts mehr.
Auf einmal fiel vom Himmel Stern um Stern
und jeder war ein blanker Goldtaler
und keiner lag vom Mädchen allzu fern.
Auch trug’s ein Hemd und das war neu und fein
und all die Wunder waren wirklich wahr.
Es packte sich die Taler dort hinein
und hatte großen Reichtum immerdar.
Neuer Beginn
Der Tod ist nicht das Ende,
sondern nur Beginn vom Neuen.
Der Tod ist bloß die Wende;
niemand muss vor ihr sich scheuen.
Frühling im März
Frühling! Ist er wirklich da?
Sage endlich er nun Ja!
Kann man den Kalendern traun?
Schnee und Stürme ihn versaun!
Welche Macht ihn wohl geborn,
fragt man doch mit etwas Zorn.
War es gar der kühle März?
Fallt nicht rein auf diesen Scherz!
Hört! Damit’s ein jeder weiß:
Frühling ist ein Kind des Mais!
Geben und nicht nehmen
Liebe ist nicht nehmen,
denn man sollte geben.
Liebe ist nicht zähmen,
denn man lasse leben.
Liebe ist nicht lähmen,
denn sie möge streben.
Gewichtige Weihnacht
Damit ihr Weihnacht nicht verbockt,
hört bitte dies Gedicht!
Wenn ihr beim Prassen wieder hockt,
lasst stehn so manch Gericht!
Man wird gemein sehr oft verlockt
und trüb wird manch Gesicht:
Die Waage wiegt und dann geschockt –
erfährt man das Gewicht.
Ich möchte
Ich möchte wie in edlen Versen in Dir lesen;
Du bist für mich der Anmut einzig schönstes Wesen.
Ich möchte nur aus Deiner Seele Träume trinken;
in Deinen Augen möchte ich schon bald versinken.
Ich möchte Dir stets gütig alles von mir geben;
Dein Glück ist mir so wichtig wie mein einzig Leben.
Ich möchte einen Weg zu Deinem Herzen finden,
auf dem sich unsre Seelen bald im Glück verbinden.
Ich möchte Deine Haare einzeln alle zählen;
ich wünscht, ich dürft nur eines haben und mir
wählen.
Ich möchte ewig Dich als Hauch von Luft umwittern;
Dein schönes Wesen lässt vor Liebreiz mich
erzittern.
Ich möchte sehr, dass unsre Seelen sich bald einen
und wir vereint in tiefem Glücke selig weinen.
Ich möchte Deine Gunst für alle Zeit erwerben
und bin bereit, für Dich aus Liebe auch zu sterben.
Ich möchte nicht nur irgendeine Frau
verehren,
ich muss bei Tag und Nacht mich nur nach Dir
verzehren.
Ich möchte bei mir nah gern Deinen Atem spüren
und dass mich Deine zarten Hände sanft berühren.
Ich möchte schwere Lasten hilfreich für Dich tragen
und will nach Deinem Wunsche alles für Dich wagen.
Ich möchte sanfte Blicke stets mit Dir nur
tauschen
und mag den Klängen Deiner schönen Stimme lauschen.
Ich möchte gerne Deine Gunst für mich erringen –
ein Traum würd wahr und ließe mich vor Freude
singen.
Ich möchte Dich von Not und Elend gern befreien
und meines Lebens Sinn und Taten Dir nur
weihen.
Ich möchte mutig Dich vor Unheil stets bewahren
und selbst in größter Not zur Hölle dafür fahren.
Ich möchte nicht mehr leiden unter all den
Schmerzen,
die Deine Schönheit tief vergräbt in meinem Herzen.
Lieber Liebe ohne Triebe als Triebe ohne Liebe
Warum spricht man von Liebe,
wenn sie kein bisschen wahr ist?
Was nützen all die Triebe,
wenn keine Liebe da ist?
Zum Spaß genießt man Triebe,
zur Ware werden Triebe,
doch tollster Spaß der Triebe
ist nichts zur wahren Liebe.
Mehr als nur Triebe
Die simplen Triebe
beglücken sehr,
doch wahre Liebe
tut’s umso mehr.
Gute und schlechte Freunde
Bist du reich und toll,
ist deine Bude voll.
Geht’s dir plötzlich mies,
wird oft sie zum Verlies.
Lange an Wangen prangende Schlangen
Man muss schon lange bangen,
bis Retter Zangen langen,
wenn äußerst lange Schlangen
an beiden Wangen prangen.
Lebenseinstellung (Neufassung)
Gönn das Glück des Lebens dir.
Mach dir keine Sorgen.
Lebe nur im Jetzt und Hier.
Denke nicht an morgen.
Kostbarer Augenblick
Vergangnes darf den Menschen nicht verdrießen,
da es zu ändern niemals ihm gelingt.
Die Zukunft lässt sich nicht sogleich erschließen
und selten ist gewiss, was sie erbringt.
Man kann den Augenblick nur jetzt genießen,
indem man dankbar ihn sofort verschlingt.
Denn zwischen dem Vorhin und Bald zu leben
ist einzig das, was wirklich ist gegeben.
Attitude to Life
Give no chance to the sorrow.
Enjoy your life free of fear.
Do not think of tomorrow.
Live all the time now and here.
(attitude to life = Lebenseinstellung; give = geben;
no = kein; chance = Chance; to = zu; the = der, die, das; sorrow = Sorge,
Traurigkeit; enjoy = genießen; your = dein; life = Leben; free = frei; of =
von; fear = Angst; do = tun; not = nicht; think = denken; tomorrow = morgen;
live = leben; all the time = die ganze Zeit, immer; now = jetzt; and = und;
here = hier)
Menschlicher Mond
Er ist des Mensch’ Kopie,
denn Seiten hat er zwo:
Beglückt die dunkle nie,
so macht die helle froh.
Ohne dich
Nur aus dir strahlt mir der Schein
vom Glückseligkeitslicht.
Ohne dich könnt ich zwar sein,
doch ich möchte es nicht.
Scheiben einschmeißende Glaser und Ähnliches
Der Feuerwehrmann, der zündet rasch die Hütte an
und sagt: »Da muss man mit ’nem C-Rohr ran.«
Der Pastor ruft: »Es geht nicht ohne Gott!«,
und klappert mit dem Klingelpott.
Der Koch versalzt die Nudel,
der Ober bringt sogleich den Sprudel.
Der Schnüffler schickt den Männern von schlimmen
Ludern Briefe,
ob man ihn zur Überwachung denn nicht riefe.
Der Sinologe tönt: »Chinesisch wird bald wichtig.
Kommt zu mir und lernt es richtig!«
Dem Tüftler neue Apparate zur Rasur gelingen,
bei ihm gibt’s auch die extra Klingen.
So mancher Dudenboss einst schrie:
»Wir brauchen neue Regeln für Orthografie!«
Der Anwalt, der stellt Fotos in das Internet
und ist zu Fotodieben gar nicht nett.
Die Polizei, die will von schnellen Autos heut noch
Fotos machen,
denn morgen will man auf der Weihnachtsfeier deftig
lachen.
Der Fabrikant von Waffen brüllt: »Auranien ist ein
böses Land.
Dort einzumarschieren wär doch keine Schand’.«
Der Psychiater verwirrt Patienten mit blöden Fragen,
worauf diese gegen ihre Einweisung sich zu wehren
gar nicht wagen.
»Der Internet Explorer ist super«, spricht der
Programmierer munter.
»Ladet meinen Browser euch damit herunter!«
Der Verleger sagt: »Du schreibst gar exzellent.
Ich brauch ’nen Vorschuss auf den Druck, zumal dich
keiner kennt.«
Der Boxer leiht dir’s Mädelein
und schlägt dir dann die Fresse ein.
Scherz und Schmerz
Ein guter Scherz
erfreut das Herz,
doch blöder Terz
führt bloß zu Schmerz.
Schöner Herbst, trauriger Herbst
Der Herbst ist da mit seinem Rauschen,
das wirbelnd, kühl und nass manch Baum entblößt.
Wer wollte jetzt danach nicht lauschen,
wenn gegen hartes Glas manch Nase stößt?
Der Herbst ist schön für all die Seelen,
zu denen Mensch und Los recht nobel sind.
Wenn einem Haus und Heil nicht fehlen,
dann darf man sich erfreun am Regenwind.
Der Herbst erweckt der Sehnsucht Klagen;
wohl dem, der sich verliebt und Wärme hat,
und wehe dem, der muss entsagen,
dem findet bunter Herbst im Leiden statt.
Unsterblichkeiten
Böte man Unsterblichkeiten mir.
Gold und Prunk und jemand mächtig sein.
Nichts und niemand scheiden mich von dir.
Ewig schlägt mein Herz für dich allein.
VHS-Gag
Die Mutter wollte schlauer werden,
um nicht als Dumme noch zu sterben.
»Ich gehe hin«, so sprach sie willig,
»zur VHS, denn die ist billig.«
Es galt, die VHS zu suchen,
um dort ’nen guten Kurs zu buchen.
Sie ging nun fröhlich aus dem Hause
in einer wohlverdienten Pause.
Wo Lettern »VHS« so prangen,
dort wollte sie ’n Programm verlangen.
Beim Suchen musste sie sich schinden,
doch dann – da konnte sie es finden.
Die Lettern standen am Gebäude
und groß war da der Mutter Freude.
Sie ging dann rein in dies Gemäuer
und plötzlich war’s ihr nicht geheuer.
Da standen Leut’ herum und guckten
und gar im Takte viele zuckten.
Der Mutter wurde flau im Magen
und trotzdem musste sie nun sagen:
»Ich möcht ’ne VHS-Broschüre,
denn ›VHS‹ steht an der Türe.«
Vor Lachen musste man sich biegen
und nicht mehr ein man konnt sich kriegen.
Musik und Boxen sie verkaufen,
sie habe tüchtig sich verlaufen.
Die Mutter ging dann aus dem Laden
und hörte noch die Freud’ am Schaden.
Des Volkes hoher Schule Zeichen
vermochten falsch sie zu beschleichen.
Die Moral von der Geschicht’:
Etiketten traue nicht!
Nostradarnus’ Prophezeiungen
Reprinten werden sehr doppeln.
Auditor wird Methan stöhnen.
Gebläse werden nicht hoppeln.
Walker wird niemals entwöhnen.
Diplomaten werden selchen
und Federweiße wird rappeln.
Vielheit wird bohnern mit Kelchen.
Teerfarbe wird äußerst zappeln.
Fragmente werden entschneien.
Videos werden uns impfen.
Enterbrücken werden weihen.
Cäsium wird dann noch schimpfen.
Adjektive werden rauschen.
Gockel werden viel jagdbomben.
Popularität wird tauschen.
Liquidität wird zu Plomben.
Zille wird Sünde Kopf stehen
und Eldorado wird verrückt.
Querschiffe werden nun gehen
und Blau wird vom Fanal entzückt.
Toupets werden sodann gewürzt.
Sektionen werden ausgelacht
und Ansagen werden gestürzt.
Papierbahnen werden zur Macht.
(Vorhersage vom 9.10.2008 zwischen 21:00 und 22:00
Uhr MEZ
auf 51,63° nördlicher Breite und 7,22° östlicher
Länge)
Heiraten
Man kann es gar nicht richtig fassen:
Viele Leute lassen sich trauen,
obwohl sie nicht zusammenpassen –
wie vor allem Männer und Frauen.
Unverstandene Kunst
Besäß manch Bild recht gute Ohren
und könnte so den Unsinn hören,
der da geschwätzt von all den Dummen,
dann würd’s vor Lachen sich wohl krümmen.
Kümmel gegen Schluckauf
Der Schluckauf ist ein Lümmel,
da hat man nichts zu lachen.
Es hilft ein Löffel Kümmel,
geschüttet in den Rachen.
Lottogewinn
Gewinnt der Otto
viel Geld im Lotto,
darf er’s nicht zeigen
und sollte schweigen.
Zehn große Politiker
Zehn große Politiker,
die hatten keinen Stil
und logen immer viel:
Einer ging, um zu bereun –
da waren’s nur noch neun.
Neun große Politiker,
die wurden mal bedroht –
sogar mit schlimmem Tod:
Einer wurde schlecht bewacht –
da waren’s nur noch acht.
Acht große Politiker,
die gingen in den ...
und trieben’s dort im Suff:
Einer ist dann dort geblieben –
da waren’s nur noch sieben.
Sieben große Politiker,
die hatten ihre Sitz’
und sprachen dort manch Witz:
Einer ging zugrund’ an Gags –
da waren’s nur noch sechs.
Sechs große Politiker,
die gingen in die Bar,
wo auch ’ne Tanzfrau war:
Einer schluckte ihre Strümpf’ –
da waren’s nur noch fünf.
Fünf große Politiker,
die gingen in die Kneip’
und füllten ihren Leib:
Einer starb vor lauter Bier –
da waren’s nur noch vier.
Vier große Politiker,
die warn auf einer Jacht
und sprachen über Macht:
Einen warf man zu ’nem Hai –
da waren’s nur noch drei.
Drei große Politiker,
die spielten Golf aus Spaß
und plötzlich dann geschah’s:
Einen traf am Kopf das Ei –
da waren’s nur noch zwei.
Zwei große Politiker,
die hassten sich total
und kämpften bei der Wahl:
Einer musste tot sich weinen –
da gab es nur noch einen.
Ein großer Politiker,
der hatte ’nen Skandal –
gefälscht hat er die Wahl:
Einer lief in sein Versteck –
da warn sie alle weg.
Zehn schöne Models
Zehn schöne Models,
die fanden falsches Geld
und freuten sich der Welt:
Eines musste tot sich freun –
da waren’s nur noch neun.
Neun schöne Models,
die sahn ’ne dicke Frau
und grinsten wie ein Pfau:
Eines hat sich totgelacht –
da waren’s nur noch acht.
Acht schöne Models,
die lud ein Krösus ein
und keines sagte Nein:
Eines ist dann dort geblieben –
da waren’s nur noch sieben.
Sieben schöne Models,
die jobbten auf ’ner Mess’
und warn dabei sehr kess:
Eines starb vor lauter ... –
da waren’s nur noch sechs.
Sechs schöne Models,
die schwammen in ’nem Moor
trotz eines Schilds davor:
Eines schluckten dann die Sümpf’ –
da waren’s nur noch fünf.
Fünf schöne Models,
die machten ’ne Diät
und Fitness am Gerät:
Eines starb dann skelettiert –
da warn sie noch zu viert.
Vier schöne Models,
die trieben’s oft zu doll
und dröhnten sich gern voll:
Eines starb dann völlig high –
da waren’s nur noch drei.
Drei schöne Models,
die zeigten sich ihrn Schmuck
und stritten dann ruck, zuck:
Eines schlug man tot aus Neid –
da warn sie noch zu zweit.
Zwei schöne Models,
die kamen in den Knast
und waren dort verhasst:
Eines hing man an die Lein’ –
und eins war nun allein.
Ein schönes Model,
das aß nicht mehr den Brei
und starb dann ohne Schrei:
Denn es schmolz zu einem Fleck –
da warn sie alle weg.
Unterflächlichkeit
Acht nicht nur auf Formen,
wenn du jemand kennenlernst.
Glück kennt keine Normen,
wenn du liebst mit Herzensernst.
Kleiner Muttertagsgruß (9. Mai 2010)
Dir verdanke ich mein Leben,
Du bist für mich die Beste.
Mehr hat niemand mir gegeben,
drum drück ich Dich ganz feste.
Vielen Dank für alles (8. Mai 2011)
Gestern war ein Kindertag,
morgen ist ein Kindertag,
immer ist ein Kindertag.
Heute ist auch Muttertag.
Vielen Dank für alles!
Jägerschützen und Schürzenjäger
Haben Männer schlechte Laune,
wärn sie Jägerschützen gerne.
Haben Männer gute Laune,
wärn sie Schürzenjäger gerne.
Aufzug oder Treppe
Nach oben wollen viele,
doch wer den Aufzug verlangt,
erreicht so nicht die Ziele,
die man auf Stufen erlangt.
Erfolgssucht
Erfolgssucht
ist eine Eigenschaft,
die mit Erfolg sucht,
was viel Eigen schafft.
Mehr sein als haben
Sei immer mehr
als dein Besitz,
sonst bist du leer
und nur ein Witz.
Hassgeliebtes deutsches Vaterland
Wo der schwarze Adler auf gelbem Grunde prangt,
wo man sich spät erst brüderlich und einig fand,
wo manche Sage sich um grüne Täler rankt,
wo der Mensch um seine zerrissne Seele bangt,
wo ’s Übermaß der Vernunft zu viel abverlangt,
wo man mit Kampfeskraft um allzu alles zankt,
wo Burgen aus Sand verharren am Meeresstrand,
wo Trägheit und Gleichmut gelten als große Schand’,
wo Hass aus Weltenschmerz wurd einst zum
Teufelsbrand,
wo man Berge versetzen will mit einer Hand,
wo Größe und Ruhm man seinem Schaffen verdankt –
dort ist das hassgeliebte deutsche Vaterland.
Mit zweierlei Maß (17.Juli 2011)
Verdammt noch mal, verdammt!
Sauerland noch im Amt,
Guttenberg musste gehn.
Wer soll das noch verstehn?
Der jüngste Tag
Wir schämen uns,
dass wir die Macht der uns verliehenen Krone der
Schöpfung missbraucht haben.
Dass wir nicht die Triebe, sondern sie uns
beherrscht haben.
Dass das Wort »Einsamkeit« bis zum heutigen Tag
existiert.
Dass wir Stärke mit Schwäche und Schwäche mit Stärke
verwechselt haben.
Dass wir uns gegenseitig zu oft betrogen und belogen
haben.
Dass wir es zu oft zugelassen haben, dass die
Unsensiblen die Sensiblen quälen.
Dass wir nicht öfter selbstlos gewesen sind.
Dass wir das Paradies zur Utopie erklärt haben.
Wir schämen uns,
dass wir darum bitten müssen, den jüngsten Tag noch
einmal zu verschieben.
Der schönste Tag im Leben
Wann ist der schönste Tag im Leben?
Es wär schön, wenn er denn heute wär,
es wär schön, wenn er der letzte wär,
es wär schön, wenn er gar täglich wär.
Wofür auch sollte man noch leben,
wenn das Schönste schon vergangen wär?
Wahre Worte und schöne Worte
Die wahren Worte sind nicht oft die schönen,
die schönen Worte sind nicht oft die wahren.
Man sollte lieber sich daran gewöhnen,
so ist man über viel sich schnell im Klaren.
Stimme gegen Schlimmes
Bekämpf das Schlimme
und tue Gutes.
Erheb die Stimme
und sei des Mutes.
Die Malerin und ihr Bild
Die Tina hat ein neues Bild gemalt
und hofft, dass bald dafür ein Kenner zahlt.
Sie hängt’s schnell auf in einer Galerie;
es zeugt nun dort von ihrer Fantasie.
Sie will gleich gehn und sieht sich’s noch mal an,
da stellt sich plötzlich neben sie ein Mann.
Er denkt ein wenig nach und fragt dann laut:
»Wie würd es Ihnen gehn, wenn man es klaut?«
Verwundert blickt sie jetzt zu ihm und spricht:
»Um Gottes Willen, sagen Sie das nicht!
Zwölf Wochen hab ich mich damit geplagt,
nach all den Mühn wär ich total verzagt!«
»Ja welch Banause denn«, fragt nun der Mann
und sieht ihr Werk sich noch mal an,
»würd so ein mieses, schlechtes Bild schon klaun?
Ich würde keinesfalls darauf vertraun,
dass jemand von der Polizei es sucht.«
Nun ist die Malerin geschockt und flucht.
Er wendet sich jetzt ab und läuft schnell weg
und zitternd steht sie da vor lauter Schreck.
Es scheint, als hätt die Tina heut kein Glück,
denn kurz darauf kommt dieser Kerl zurück.
Er grinst sie an und spricht zu ihr ganz keck:
»Es tut mir leid, das war doch nur ein Gag.«
Ihr fällt ein großer Stein von ihrem Herz’,
das Ganze war wohl nur ein dummer Scherz.
»Ich wollt Sie nicht schockiern«, sagt er ihr nun.
»Die Polizei würd alles für Sie tun.
So machen Sie sich keine Sorgen, ja?
Für so was wär die Polizei doch da!«
Erstrebenswerte Geschmacksverirrung
Verirrung im Geschmack
ist stets ein Göttersegen,
denn Dinge ohne Lack
sind leicht sich zuzulegen.
Wir harmonieren perfekt
Wir sind wie die Faust aufs Auge.
Da ich als Auge nicht tauge,
ist es stets meine Faust,
die auf das deine saust.
Anschlag von Neonazis vereitelt
Ich hab’s als Titel in der Zeitung gelesen.
Donnerwetter, dachte ich, ich fress ’nen Besen.
Von denen hört man ja ständig schlimme Sachen.
Ich wusste gar nicht, dass die auch Gutes machen.
Der Zeigefinger und die anderen drei
Richt ich den Finger auf manch Leute,
mit drein ich auf mich selber deute.
Hohe Erwartungen
Erwarte nicht zu viel vom Leben,
sonst wird es bloß Enttäuschung geben.
Europa
1
Europa hieß da eine Maid,
die in Phönizien einst erwuchs.
Es war vor langer, langer Zeit,
da wurd sie Opfer eines Trugs.
2
Sie war umringt von lauter Gold
und wohnte im Palast sogar,
doch war das Glück ihr erst nicht hold,
obwohl ihr Vater König war.
3
Denn plötzlich kam der bittre Tag,
an dem ihr Schicksal sich entschied.
Als schlafend sie im Bette lag,
da war’s ein Traum, der ihr’s verriet.
4
Er wurd vom Himmel ihr gesandt
und nie zuvor war dies geschehn.
Der Traum verwirrte ihrn Verstand
und doch war alles klar zu sehn.
5
Zwei Frauen kamen auf sie zu
und schrien ganz laut in einem Streit,
doch beide gaben keine Ruh
und warn zum Frieden nicht bereit.
6
Recht seltsam war die Form der Fraun,
die jeweils einem Erdteil glich,
doch weckten beide ihr Vertraun
und eine nannte Mutter sich.
7
Die hatte Asiens Gestalt,
hielt kniend sie nun fest und schrie:
»Lass ab von grausamer Gewalt,
mein holdes Kind bekommst du nie!«
8
Die andre war ein fremdes Weib
und auf das edle Kind erpicht.
Sie zerrte stur an seinem Leib
und blickte sanft in sein Gesicht.
9
Die eine rief mit großem Zorn:
»Der König hat dies Kind gezeugt;
ich selbst allein hab es geborn
und liebevoll es einst gesäugt.«
10
Die Fremde riss es aus ihrm Schoß.
»Ich nehm dich mit«, so sprach sie leis,
»denn so beschied es dir das Los,
denn so geschieht’s auf Zeus’ Geheiß.«
11
Und dann verschwand sie mit der Maid.
Die Mutter blieb erbost zurück
und krümmte sich vor lauter Leid –
auf ewig war zerstört ihr Glück.
12
Der Jungfrau schien es sonderbar,
dass sie auf ihre Flucht nicht drang.
Obwohl sie eine Beute war,
wurd ihr im Herzen gar nicht bang.
13
Man hatte plötzlich sie entführt,
doch fühlte sie sich nicht gequält.
Sie wurd sogar vom Stolz verführt,
denn Zeus wohl hatte sie erwählt.
14
Wie zärtlich war des Weibes Blick,
als fest in Armen es sie hielt.
So beugte sie sich ihrm Geschick,
als wär das Ganze nur gespielt.
15
Alsbald erhellte sich der Raum,
in dem verschwitzt im Bett sie lag.
Da schreckte hoch sie aus ihrm Traum;
ihr war, als träfe sie ein Schlag.
16
Und schon vorbei war diese Nacht;
die Sonne schien ihr ins Gesicht.
Soeben war die Maid erwacht,
doch gut erholt fand sie sich nicht.
17
Europa wusste nicht so recht,
was grad mit ihr geschehen war.
Sie dachte nur: »Es war so echt,
was ich geträumt – wie sonderbar!«
18
Ihr Innres war vom Traum erbebt;
sie starrte lange vor sich hin.
Sie hatte ihn so klar erlebt
und suchte eifrig seinen Sinn.
19
Doch konnte sie ihn nicht verstehn,
denn ihr Verstand war viel zu schlicht.
Sie konnte noch die Weiber sehn,
als stünden vor ihr sie ganz dicht.
20
Sie saß nun aufrecht in ihrm Bett
und war wie nie zuvor erregt.
Sie blieb ganz steif dort wie ein Brett
und war im Geiste bloß bewegt.
21
Es war recht leicht, sie zu verstörn –
so war sie nass vor lauter Schweiß,
ihr Herz schlug schnell und war zu hörn.
Da sprach beeindruckt sie ganz leis:
22
»Wie himmlisch mag das Wesen sein,
das diese Bilder mir gesandt,
als schlummernd wie ein Engelein
in Vaters Haus ich mich befand?
23
Was war der Traum doch wunderbar!
Wer war doch gleich die fremde Frau,
die da zu mir so liebreich war
wie auch zugleich so grob und rau?
24
In ihren Armen ging’s mir gut,
doch ihre Tat war wahrlich schlecht.
Ich spürte trotzdem keine Wut;
es kam mir vor, als wär’s mir recht.
25
Ihr Zauber lässt mich nicht mehr los.
Ach, könnt sie meine Mutter sein!
Ich wünscht, ich säß noch auf ihrm Schoß
und wär ihr einzig Kindelein.
26
Ich kann mich nicht dagegen wehrn;
verwirrt ist immer noch mein Geist.
Die Götter mögen mir erklärn,
was dieser seltne Traum verheißt.«
27
Die Jungfrau kam dann bald zur Ruh
und sann auch nicht mehr weiter nach.
Sie wandte sich ihrm Leben zu
und so verließ sie ihr Gemach.
28
Sie hatte lange nachgedacht
und spürte schon den Druck der Zeit.
Geschwind wurd sie zurechtgemacht
und trug schon bald ein edles Kleid.
29
Sie roch die frische Morgenluft
und längst war ihr der Traum entrückt.
Durchs Fenster wehte Blumenduft
und rasch war sie davon entzückt.
30
Und draußen lockte Sonnenschein.
So brach sie auf mit großer Hast,
sie wollte schnell zum Nymphenhain
und lief beschwingt aus dem Palast.
31
So manche Maid schloss ihr sich an.
Sie rannten jetzt gemeinsam los.
Die Fürstin eilte flink voran.
Die Freude war bei allen groß.
32
Denn so zu tollen, machte Spaß;
sie frönten ganz der Heiterkeit.
Die Trachten rauschten durch das Gras,
denn jede trug ein Schleppenkleid.
33
Das von Europa war sehr fein.
Es war mit Bildern reich bestückt,
aus goldnen Fäden pur und rein –
so himmlisch war sie heut geschmückt.
34
Nun kam die heitre Mädchenschar
zu fünft zum kahlen Meeresstrand,
bei dem auch eine Wiese war,
die voll der schönsten Blumen stand.
35
Die Jungfraun warn davon verzückt
und schwärmten jubelnd alle aus.
Es wurden Blumen rasch gepflückt
und jede trug bald einen Strauß.
36
Man häufte dann die Blumen an
und kroch vergnügt auf allen viern,
sodass man gleich damit begann,
die schönsten gründlich zu sortiern.
37
Man weilte heut im Nymphenhain,
um all die Nymphen zu verehrn.
Man wollte äußerst fleißig sein
und sie mit Kränzen bald beschern.
38
So knüpfte jede einen Kranz,
um einen Baum mit ihm zu ziern.
So war vertieft man voll und ganz
und ließ sich noch durch nichts beirrn.
39
Sie hatten Schönes nur im Sinn
und warn von Sorgen ganz befreit.
Sie spielten arglos vor sich hin
und wie im Flug verging die Zeit.
40
Europa war Phöniziens Zier
und galt als Schönste in ihrm Land.
So weckte sie nun plötzlich Gier
und brachte Zeus um den Verstand.
41
Er war jedoch noch klug genug
und hatte einen schlauen Plan.
So setzte er auf Lug und Trug
und war davon berauscht im Wahn.
42
Er hatte dreist die Maid erkorn,
doch ihm war bang vor seiner Frau,
denn schnell ereilte sie der Zorn –
dies wusste er nur zu genau.
43
Er wollte Hera nicht verstörn
und konnte heimlich nur agiern.
Es galt, die Jungfrau zu betörn,
doch glaubte er, sie würd sich ziern.
44
Er wusste nichts von ihrem Traum
und hielt’s für schwer, sie zu entführn.
Und so erhoffte er sich’s kaum,
sie je mit Händen zu berührn.
45
Er wollte keinen Kampf und Zwist;
sein Plan war wenig rabiat.
So schwor er ganz auf eine List
und setzte um sie in die Tat.
46
Er rief den Hermes zu sich her
und dieser kam dann auch geschwind.
Er brauchte ihn nun einmal mehr,
den Gott, der schnell war wie der Wind.
47
Der hatte Flügel an den Schuhn
und war des Vaters treuer Sohn.
Er sollte etwas für ihn tun
und Zeus befahl’s in mildem Ton:
48
»Begib dich rasch zu diesem Land,
das unten links sich dort erstreckt!
Es wird Phönizien oft genannt
und ist mit Weiden reich bedeckt.
49
Sieh hin! Die Herde grast gleich dort.
Treib sie vom Berg zum Meer hinab!
Geschwind, so heb dich rasch hinfort,
so spute dich, die Zeit wird knapp!«
50
Gehorsam flog der Sohn hinweg
und tat, was Zeus ihm grad gesagt.
Er wusste nicht zu welchem Zweck,
doch hätt zu fragen nie gewagt.
51
Und stets bemüht um Vaters Heil
gehorchte er auch diesmal gern.
Er war fast schneller als ein Pfeil
und vom Olymp ein Stück schon fern.
52
Er raste in Europas Land
und fand sogleich das Vieh am Berg.
Er trieb es schleunig bis zum Strand –
und schon erledigt war sein Werk.
53
Als Hermes rasch das Land verließ,
begab sich Zeus dort selbst hinein.
Und der verschlagne Gott bewies,
wie sehr’s ihm half, so schlau zu sein.
54
Die Maid, so setzte er klug an,
die liebte Tiere und Natur.
Erschien er ihr als forscher Mann,
so ließe dies sie kalt und stur.
55
Doch wäre er von einer Form,
die seiner schönen Maid gefiel,
so nützte dies ihm wohl enorm
und brächt ihn näher an sein Ziel.
56
So kam der große Augenblick
und zeugte jäh von seiner Macht.
Als wär’s ein großer Zaubertrick,
wurd’s blitzgeschwind von ihm vollbracht.
57
Er formte sich zu einem Stier!
Dies war des Gottes größter Coup.
»Was bin ich doch ein schönes Tier!«,
so rief er laut sich selber zu.
58
Er war so edel und so fein,
er schien geeignet für den Trug.
Sein Leib war gelb von goldnem Schein,
die Wampen prangten satt am Bug.
59
Als käm er aus dem Wunderland,
schien jedes Horn wie ein Juwel.
Gedrechselt wie von Künstlerhand
warn beide glatt und ohne Fehl.
60
Ihm schwollen Muskeln stolz am Hals
und seine Augen strahlten blau.
Er wär das Prunkstück jedes Stalls
und stähl den andern Tiern die Schau.
61
Und einen edlen Stier wie ihn,
den zwäng man nicht aufs grobe Feld
und ließe ihn den Pflug nicht ziehn –
nicht ihn, den schönsten Stier der Welt.
62
Er hatte alles klug durchdacht.
So schloss er sich der Herde an
und niemand schöpfte wohl Verdacht,
worauf er gierig wirklich sann.
63
So war der Stier jetzt nicht allein
und schritt mit andern träg am Strand.
Sie warn erschöpft und litten Pein,
denn zügig warn sie weit gerannt.
64
Von Hermes rüde hergehetzt
verspürten sie ihrn trocknen Schlund.
Sie brauchten kühles Wasser jetzt,
doch das im Meer war nicht gesund.
65
Das Salz darin war wie ein Gift.
So standen durstend sie am Meer.
Sie wollten heim zu ihrer Trift,
doch jeder Schritt fiel ihnen schwer.
66
Da zog es sie zum frischen Gras,
das grün auf einer Wiese spross.
Die Tiere fanden reichlich Fraß,
doch keinen Bach, der lieblich floss.
67
Sie stampften dann zur Mädchenschar
und wurden gleich von ihr entdeckt.
Der Fürstin schien es sonderbar,
sie stand rasch auf und rief erschreckt:
68
»Seht dort! Was macht denn hier das Vieh?
Ich glaub, es hat sich arg verirrt.
Es grast auf diesem Grund doch nie,
es wirkt so müd und ganz verwirrt.«
69
Das Vieh des Königs Agenor
lief darbend und verstört umher.
Dies kam den Jungfraun seltsam vor
und es bestürzte jede sehr.
70
Fast alle Tiere liefen weg,
denn Wasser fanden sie hier nicht.
Nur rührte eins sich nicht vom Fleck
und war aufs Trinken nicht erpicht.
71
Es schien gesund und unversehrt
und glich den grad gegangnen kaum.
So schön es war und wohlgenährt,
entsprang dies Tier wohl einem Traum.
72
Die Mädchen staunten höchst gebannt
und blickten alle auf das Tier,
das fern von ihnen friedlich stand
und sich entpuppte als ein Stier.
73
Recht langsam kam er näher nun
und ging geschmeidig mit Geschick.
Als wollte er bloß Gutes tun,
war zärtlich und ganz lieb sein Blick.
74
Er hob den Kopf erhaben an
und zeigte eitel seine Brust.
Er rückte Stück für Stück voran
und dies zu sehn, war eine Lust.
75
Und schon vergessen war das Leid,
das ihnen grad begegnet war.
Der Stier vertrieb gekonnt die Zeit
und alle fanden’s wunderbar.
76
So friedvoll, wie er sich benahm,
stolzierte dort kein wildes Tier.
Anscheinend war er völlig zahm
und durch und durch ein sanfter Stier.
77
Er kam der Fürstin reichlich nah,
doch wich sie bang zurück vor Schreck.
Als wachen Geistes er dies sah,
blieb prompt er stehn auf seinem Fleck.
78
Und als er nett und brav dort blieb,
da fasste endlich sie Vertraun,
denn dieser Stier schien äußerst lieb
und konnte wie ein Hündchen schaun.
79
Sein Blick verzückte sie im Nu
und zog sie stark in seinen Bann.
So ging beherzt sie auf ihn zu
und schmiegte zärtlich sich ihm an.
80
Es regte wedelnd sich sein Schwanz,
als wär er gar ein großer Hund.
Da nahm sie ihren hübschen Kranz
und hielt ihm diesen vor dem Schlund.
81
Sie hängte ihn dann um ein Horn
und sprach, sie sei von ihm entzückt.
Da spitzte er gespannt die Ohrn
und fühlte sich total beglückt.
82
Er hatte listig längst erkannt,
wie man die Gunst der Maid gewann.
Er leckte schmeichelnd ihre Hand
und sah sie voller Sehnsucht an.
83
Sie kraulte ihn besonders zart
und ließ sich immer mehr beirrn.
Sie war zutiefst in ihn vernarrt
und küsste ihm sogar die Stirn.
84
Und sein Gebrüll, das jetzt begann,
klang fast wie eine Melodie.
Es zog die Jungfrau magisch an
und reizte ihre Fantasie.
85
Sein Hauch versüßte jede Luft,
sogar auch die im Nymphenhain.
Aus seinem Maul stieg holder Duft,
der himmlisch roch wie Götterwein.
86
Sie konnte nicht mehr widerstehn
und fiel in eine leichte Trance.
Der Stier bestimmte das Geschehn
und ließ der Fürstin keine Chance.
87
Sie wusste nicht, wie ihr geschah
und was dem Stier solch Macht verlieh.
Und eh Europa sich versah,
sank sie dahin auf ihre Knie.
88
Er hörte mit dem Brüllen auf,
doch klang’s in ihren Ohren nach.
So nahm das Schicksal seinen Lauf,
denn die verwirrte Fürstin sprach:
89
»So lasst doch diesen ganzen Kram!
Wir spielen lieber mit dem Stier.
Seht hin, er ist doch völlig zahm!
Was steht ihr rum? So kommt zu mir!
90
Er gleicht so gar nicht all den Stiern,
die ich im Leben je gesehn.
Natürlich kann ich mich auch irrn,
doch scheint’s, als würd er mich verstehn.
91
Vielleicht lässt er sich reiten gar.
Ich glaub, er trägt von uns gleich vier.
Wie wäre das doch wunderbar –
zu galoppiern auf einem Stier!
92
Er ist so stilvoll wie ein Pferd;
es kommt mir vor, als hätt er Charme.
Ich glaub, dass er mich sehr verehrt –
so zärtlich ist sein Blick und warm.
93
Ich lass ihn niemals mehr allein!
Er guckt so treu wie mancher Hund,
er ist so fabelhaft und fein,
er strotzt vor Kraft und scheint gesund.
94
Er wirkt wie ’n Mensch mit viel Verstand
und ihm fehlt einzig nur das Wort.
Erkunden wir mit ihm das Land;
nun kommt, wir reiten auf ihm fort!«
95
So sprach’s die Fürstin ganz vernarrt.
Die andern standen bloß herum,
warn alle wie zu Stein erstarrt
und blieben vorerst gänzlich stumm.
96
Sie nahm den Rest von ihrm Geflecht
und schmückte ihren Freund noch mehr.
Dies schien dem Stier nur allzu recht
und freute ihn auch diesmal sehr.
97
Er lud sie nun zum Reiten ein
und legte brav sich vor ihr hin.
Nichts konnte für sie schöner sein,
nichts andres hatte sie im Sinn.
98
Er streckte seinen Rücken lang
und sein Gebrüll erklang erneut.
Den andern wurd ein wenig bang,
doch schien die Fürstin höchst erfreut.
99
Europas ganzer Anhang schwieg
und griff in keiner Weise ein.
Als lächelnd sie ihn dann bestieg,
blieb sie auf ihrem Stier allein.
100
Das Tier stand gut ihr zu Gesicht
und schien so edel wie ihr Blut.
So übte gern ihr Tross Verzicht
und hatte auch nicht ihren Mut.
101
Sein Rücken glänzte gelblich hell
so wie der Mond in mancher Nacht.
Sie sackte sanft ins weiche Fell
und war entzückt von all der Pracht.
102
Das Glück schien ihr wahrhaftig hold,
doch ihr verbarg sich noch der Trug.
Genauso war’s von ihm gewollt,
denn listig war sein Plan und klug.
103
Sie hielt das Ganze für ein Spiel
und war schon fast in seiner Hand,
doch war er längst noch nicht am Ziel
und immer noch in ihrem Land.
104
Zunächst schritt er noch äußerst sacht
und ging den Weg, den sie ihm rief.
So keimte anfangs kein Verdacht,
da er total gehorsam lief.
105
Doch dann war sie ’s Befehlen leid
und ließ ihrn Stier ganz frei spaziern,
denn sorglos dachte bloß die Maid:
»Was kann da Schlimmes schon passiern?«
106
So lief der Stier, wie’s ihm gefiel,
und wollte offenbar zum Strand.
Sie akzeptierte jedes Ziel,
wo immer es sich auch befand.
107
Sie saß auf ihrem Stier bequem
und hatte riesengroßen Spaß,
doch bald schon gab es ein Problem
und eh sie sich versah, geschah’s.
108
Der Stier erhöhte seinen Schritt
und galoppierte wie ein Ross.
Die andern kamen nicht mehr mit
und so düpierte er ihrn Tross.
109
Es wehten wild ihr Kleid und Haar,
denn viel zu schnell lief da ihr Stier.
Sie sah sich plötzlich in Gefahr
und blieb mit Müh nur auf dem Tier.
110
Sie waren schon am kahlen Strand
und bis zum Wasser war’s nicht weit.
Er stampfte jetzt auf feinem Sand
und weiter wankte bang die Maid.
111
Er rannte plötzlich in das Meer
und schwamm mit seinem Raub hinweg.
Die edle Jungfrau staunte sehr
und kannte weder Sinn noch Zweck.
112
Sie wünschte sich, er nähm ein Bad
und schwämme bald mit ihr zurück
und alles, was er eifrig tat,
geschähe nur zu ihrem Glück.
113
Ihr Tross erreichte nun das Meer,
doch niemand sprang beherzt hinein
und schwamm der Fürstin hinterher.
Man fing bloß hilflos an zu schrein.
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Annibale Carracci (1560 – 1609) Der Raub der Europa |
114
Die Jungfraun winkten ganz verstört,
doch drehte dieser Stier nicht bei.
Ihr Flehen wurde nicht erhört
und so verhallte ihr Geschrei.
115
Und als Europa sie noch sah,
verging ihr rasch die ganze Lust,
denn was so schlimm mit ihr geschah,
wurd ihr auf einmal voll bewusst.
116
Sie sah sich schmählich reingelegt,
doch war’s zu spät, als sie’s begriff.
Sie schrie vor Angst ganz aufgeregt
und er fuhr fort nur wie ein Schiff.
117
Er raubte sie ihrm Vaterland
und jetzt begann für sie die Qual.
Sie blickte noch zum Meeresstrand
und sah ihn da zum letzten Mal.
118
In ihr Gewand blies Meereswind,
als wär’s ein buntes Segel gar.
So fuhr hinweg das Königskind,
dem nie zuvor so bange war.
119
Sie war im Schwimmen nicht geübt,
doch er schwamm schnell wie ein Delfin.
So schluchzte ständig sie betrübt,
denn sie vermochte nicht zu fliehn.
120
Sie war umringt vom Mittelmeer
und saß da ohne Speis und Trank
und ihr erging’s noch misslicher,
als bald die Sonne dort versank.
121
Und auch bei voller Dunkelheit
ging’s weiter ohne Rast und Halt.
Sie fühlte tiefe Traurigkeit
und dann wurd ihr noch bitterkalt.
122
Noch griff sie kräftig um ein Horn,
doch langsam wurd sie müd und schwach.
In ihr entkeimte großer Zorn
und hielt so eben sie noch wach.
123
Europa wurde gar nicht nass,
da er das Meer geschickt durchschnitt.
Sie fühlte dennoch großen Hass,
da sie genug schon auf ihm litt.
124
Da sah sie in der Ferne Licht
und wusste gleich, woher es kam.
Es strahlte schwach ihr ins Gesicht
und dämpfte kurz nur ihren Gram.
125
Gesäumt von gelbem Fackelschein
lag ihr zur Rechten Zyperns Strand.
Sie wünschte sich, nun dort zu sein;
der Stier jedoch ging nicht an Land.
126
Der Fürstin half auch kein Geschrei,
denn das Gestade war zu fern.
Er schwamm dort einfach stur vorbei,
als würd ihr Leid ihn gar nicht schern.
127
So darbte sie als seine Fracht
und ihre Hoffnung schien gering.
Sie fror auf ihm die ganze Nacht,
die quälend langsam nur verging.
128
Allmählich klärte sich ihr Blick,
denn endlich kam der neue Tag.
Die Sonne schien ihr ins Genick,
als sie erschöpft auf ihm nun lag.
129
Er trug sie immer weiter fort,
als triebe er ein böses Spiel.
Ihr half kein Weinen und kein Wort;
er schwamm dahin, wie’s ihm gefiel.
130
Es stieg die Sonne Stück für Stück;
bald rann ihr überall der Schweiß.
Sie wünschte sich die Nacht zurück,
denn langsam wurd ihr mächtig heiß.
131
Sie wurde arg vom Durst geplagt
und gegen Mittag litt sie schwer.
»Schon bald«, so dachte sie verzagt,
»verdurste ich und stürz ins Meer.«
132
Fast jeder Knochen tat ihr weh;
die Hitze dörrte sie ganz aus.
Sie hasste längst die hohe See
und wünschte sich, sie wär zu Haus’.
133
Als dann der Abend endlich kam,
tat ihr der kühle Wind recht gut.
Und als sie Vogelsang vernahm,
erwuchs in ihr gar neuer Mut.
134
So hob sie mühevoll ihr Haupt
und sah vor sich ein fremdes Land.
Sie hatte dies nicht mehr geglaubt
und traute kaum noch ihrm Verstand.
135
Europa hatte es geschafft –
sie traf am Ufer lebend ein.
Sie hatte nicht einmal die Kraft,
aus purer Freude kurz zu schrein.
136
Er lief zu einem klaren Bach
und ließ die Jungfrau endlich gehn,
doch fühlte sie sich äußerst schwach
und konnte kaum noch aufrecht stehn.
137
Sie war gerettet vor dem Tod
und sackte müd auf ihre Knie.
Vom Schicksal allzu sehr verroht
soff gierig sie wie manches Vieh.
138
Sie trank so viel wie nie zuvor
in einer solch geringen Zeit.
Da blickte kurz die Maid empor
und sah kein Tier mehr weit und breit.
139
Stattdessen kam ein edler Mann,
der einem jungen Gotte glich.
Er sah die Jungfrau musternd an
und sprach zu ihr höchst feierlich:
140
»Ich bin ein Fürst des Abendlands
und Kreta ist mein Inselreich.
Du schöne Maid des Morgenlands,
du kommst fast einer Göttin gleich.
141
So heiß ich dich willkommen hier.
Ich bin zutiefst von dir entzückt
und fühle mich gewogen dir,
ja würde gern durch dich beglückt.
142
Denn eine Maid von solchem Leib
benötigt einen reichen Herrn.
Ich wünsch mir dich als neues Weib
und glaub, du kannst mir’s nicht verwehrn.«
143
Sie war noch längst nicht bei Verstand
und akzeptierte diese Schmach.
Sie gab ihm ihre zarte Hand,
womit sie sich nun ihm versprach.
144
Dies fiel der stolzen Maid nicht leicht,
doch ihre Not war viel zu groß.
So hatte Zeus sein Ziel erreicht
und so erfüllte sich ihr Los.
145
Er sprach: »Du kannst mir voll vertraun
und solltest jetzt ein wenig ruhn.
Ich werde morgen nach dir schaun
und habe heute noch zu tun.«
146
Nach diesen Worten ging er fort
und ließ die Fürstin ganz allein.
Sie fand bald einen sichren Ort
und schlief dort augenblicklich ein.
147
Am nächsten Morgen wurd sie wach,
doch gut erholt fand sie sich nicht.
Sie ging zu einem nahen Bach
und wusch sich flüchtig ihr Gesicht.
148
Sie bäumte sich dann tapfer auf
und lief am Bach erst hin und her.
Sie folgte schließlich seinem Lauf
und schnell erreichte sie das Meer.
149
Sie suchte nun ihr Heimatland
und sandte weite Blicke aus
und dort, wo grad die Sonne stand,
erhob sich fern ihr Vaterhaus.
150
»O Vater«, rief sie ganz verstört,
»ich bringe dir nur Sorgen ein.
Du bist mit Fug und Recht empört;
ich bin’s nicht wert, dein Spross zu sein.
151
Weil ich die Pflicht frivol vergaß,
bleib ich für immer dir verlorn.
Ich wollte bloß ein wenig Spaß
und stehe hier jetzt voller Zorn.
152
Ich schlimme Tochter war so dumm
und ließ mich von dem Stier beirrn.
Ich ritt auch noch auf ihm herum
und ließ beschämend mich düpiern.
153
Was war das für ein schlimmer Wahn,
dem ich so sorglos da verfiel?
Was hab ich bloß dem Stier getan,
dass er mich wählte für sein Spiel?
154
So ist doch schuld nur dieses Vieh!
Es hat mich allzu bös versucht,
ja es betrieb wohl auch Magie –
so sei auf ewig es verflucht!
155
Ich kann doch wirklich nichts dazu
und war auch immer äußerst brav.
Ich legte lieblich mich zur Ruh,
doch ’s Übel packte mich im Schlaf.
156
Ein Traumbild neckte meinen Geist
und brachte mich um den Verstand.
So bin ich um die Welt gereist
und kam in dieses fremde Land.
157
Wie könnte es auch möglich sein,
dass mich ein Untier dreist verführt
und mich am Tag bei Sonnenschein
vor aller Augen kühn entführt?«
158
Sie stand allein in einer Bucht
und fühlte dennoch sich bedroht.
So dachte sie an eine Flucht,
doch sah sie nirgendwo ein Boot.
159
Um sich dem Fürsten zu entziehn,
empfahl sich ihr nur ein Versteck.
Sie wollte eisern ihm entfliehn
und rannte kopflos einfach weg.
160
Sie duckte zwischen Felsen sich
und trotzte so dem Edelmann.
Sie fühlte sich ganz unglücklich
und fing beinah zu schluchzen an.
161
Sie sagte sich, sie träume bloß,
und kniff sich kräftig in ein Ohr,
doch schmerzte dies so gnadenlos,
dass sie die Hoffnung ganz verlor.
162
Gezwängt in eine Felsenkluft
schien sie dem Tode schon recht nah.
So rang sie fast um Atemluft,
als sie die Felsen sich besah.
163
Sie wünschte sich in ihrer Qual,
sie läg verblichen schon im Grab,
denn ihr erschien zutiefst real,
was dort beklemmend sie umgab.
164
Die Klippen standen schroff und starr,
das Meer ertoste schauerlich.
Dies neue Land schien ganz bizarr,
so völlig fremd und unheimlich.
165
»O Vater«, rief die Jungfrau nun,
»noch nie war größer meine Not.
So kann ich nur noch eines tun –
ich wähle ehrenvoll den Tod.
166
Ach, brächte man mir dieses Vieh!
Ich würde es zerfleischen dann,
ja grausam wüten wie noch nie
und fing dabei zu jubeln an.
167
Ich risse ihm die Hörner aus
und grillte es am Spieße mir.
Es wäre mir ein Freudenschmaus
und fort wär dieses Unglückstier.
168
O nein, hinweg mit all der Wut!
Sie ändert nichts an meinem Leid.
Der ganze Zorn tut mir nicht gut
und schickt sich nicht für eine Maid.
169
Als Frau, die edlem Blut entstammt,
denk ich doch nicht mehr länger nach.
Ich würd von Vater nur verdammt,
ließ ich mich ein auf eine Schmach.
170
Zu groß wär meine Seelenpein,
verschenkte ich mich diesem Mann.
So bleibt mir nur dies Felsgestein,
die ganze Zeit schon zieht’s mich an.
171
Ich spring von dort ins tiefe Meer,
das mich auf ewig dann verschlingt.
Zwar fällt mir dies wohl ziemlich schwer,
doch tu ich’s, weil’s die Not erzwingt.
172
Zu edel ist mein Jungfraunleib,
mir bleibt auch keine andre Wahl.
Ich dien ihm nicht als Nebenweib
und niemals wird er mein Gemahl.
173
Ich gebe mich so leicht nicht her
und möchte keine Sklavin sein.
Da stürz ich lieber mich ins Meer
und klettre gleich aufs Felsgestein.«
174
Da stieg die arme Maid hinauf
und blickte angstvoll in die Flut.
Sie hielt sich viel zu lang dort auf
und so enteilte ihr der Mut.
175
Sie traute ihren Augen nicht,
als plötzlich Aphrodite kam,
und traute auch ihrn Ohren nicht,
als sie verblüfft ihr Wort vernahm:
176
»Ich grüße dich, du edle Maid;
wie schön, du bist nun endlich hier!
Selbst ich erblasse fast vor Neid,
du bist der Anmut höchste Zier!
177
Der Stier, der deine Gunst erschlich,
das war der Zeus im Liebeswahn!
Doch schuldig bin im Grunde ich,
ja ich hab dir dies angetan.
178
Ich habe dir den Traum gesandt
und ihn in dich verliebt gemacht.
So kam er in dein Vaterland
und hat dich schnell mir hergebracht.
179
So nimmt dein Schicksal seinen Lauf
und alles wird am Ende gut.
Der neue Erdteil nimmt dich auf
und schenkt dir neuen, frischen Mut.
180
Der große Zeus hat dich erkorn
als Gattin für die Ewigkeit.
So lass doch endlich deinen Zorn
und deine tiefe Traurigkeit!
181
Du bist die Sonne in der Nacht
und hast dem Abendland gefehlt.
Durch dich erblüht’s zu neuer Pracht;
sei du die Frau, die es beseelt!
182
Vorüber ist dein schlimmes Leid,
so denk nicht mehr daran zurück!
Du wirst berühmt für alle Zeit
und ewig währen soll dein Glück.
183
So finde langsam deine Ruh,
du wunderschönes Mädelein!
Der Erdteil heißt ab jetzt wie du –
sein Name soll Europa sein.«
Unabänderliche Tatsachen
Es ist so,
wie es ist.
Mal macht’s froh,
mal ist’s Mist.
Ich bin kein moderner Lyriker
Ich wünschte mir,
ich wäre ein
moderner Lyriker,
doch leider bin ich
nicht intellektuell genug,
um bedeutsame Meisterwerke
der modernen Lyrik zu verfassen.
Wie schön wäre es doch,
wenn ich ohne
verpönte Reime
innerhalb kürzester Zeit
einen ganzen Lyrikband
füllen könnte,
doch bin ich im
Gegensatz
zu modernen Lyrikern
nicht so vernarrt in
die Absatzmarke,
nicht so verliebt
in die Buchstaben
umschlingende
Leere.
Ich weiß,
manchmal ist
weniger mehr,
aber müssen deshalb
mehr Bäume
gefällt werden?
Da bleibe ich
doch lieber
bei meinen langweiligen
Reimen
und hoffe,
dass sie der
Absatzmarke
würdig sind.
Ich hätte diesen Text
auch
in Prosa
schreiben können,
doch sähe er dann
nicht aus
wie ein Gedicht.
Darauf kommt es offenbar an.
Hinweis: Die Gedichte sind rechtschreibgeprüft und
müssten im Großen und Ganzen nahezu fehlerfrei sein. Buchstaben, die auf der
Gratisgedichte-Seite zwecks Hervorhebung GROSSgeschrieben sind, erscheinen auf
dieser Seite kursiv. Bei der Apostrophierung in meinen Texten halte ich
mich nicht an die (für mich absurde) Empfehlung, bei Verbindungen von Verben,
Pronomen oder Konjunktionen mit dem Pronomen »es« den Apostroph wegzulassen,
wodurch aber kein Fehler entsteht. Ich schreibe also beispielsweise nicht »Wie
gehts?«, sondern nach wie vor »Wie geht’s?«. Ansonsten halte ich mich an im
Duden empfohlene Schreibweisen.
© Arne Arotnow (von Elfie Nadolnys Gedicht abgesehen)